Philosophie und Entstehung
Die Philosophie von Yin und Yang ist namensgebend für Yin Yoga.
Die Bezeichnung „Yin Yoga“ leitet sich von dem chinesischen Konzept von Yin und Yang ab, das vor allem im Daoismus eine Rolle spielt. Diese Philosophie beschreibt Yin und Yang als entgegengesetzte Kräfte oder Prinzipien: Während Yin die weibliche, ruhige, weiche und passive Energie repräsentiert, verkörpert Yang den männlichen, harten, dynamischen und aktiven Gegenpart. In anatomischer Hinsicht steht Yang für die Muskeln und Yin für das Bindegewebe wie Sehnen und Bänder. Hier gilt wirklich in der Ruhe liegt die Kraft. Sensibilisierung und Aktivierung deiner Lebensenergie. Ohne Hell kein dunkel, ohne Nacht kein Tag und ohne Yin kein Yang. Gegensätze definieren unser Leben.
Unser Leben ist oft yangorientiert, es fehlt an Ruhe, Zeit und Gelassenheit. Man sehnt sich nach innerer Balance und Entspannung, da kommt Yin Yoga ins Spiel.
Bereits im 5. Jhd. wussten die chines. Philosophen um die große Bedeutung dieser Gegensätze. Vor allem in der TCM zielt der Ausgleich zwischen Yin und Yang. Beide Kräfte in sich vereinen und harmonisieren. Sind sie im Gleichgewicht, dann ist der Mensch gesund. Und so ist auch die Stille zwischen den Wörtern, wichtiger als die Wörter selbst. Viele haben auch Angst vor der Stille. Man ist es in der hektischen Welt heute nicht mehr gewohnt.
Der Fokus liegt auf dem Bindegewebe und den Gelenken, die so geschmeidig bleiben. Es lösen sich Verspannungen und Verklebungen.
Yin Yoga wirkt in die tiefen Schichten des Körpers. Die Umhüllung der Muskulatur, der Knochen und Gelenke die sogenannten Faszien werden bearbeitet. Die milchige Faser, das Bindegewebe durchzieht unseren ganzen Körper. Ein Beispiel: Wenn wir lange sitzen, sammeln sich viele Giftstoffe im Gewebe an. Durch das Hineinlehnen in eine Asana, wie bei der Vorwärtsbeuge, wird das Gewebe aufgespannt. So werden Giftstoffe ausgeschwemmt und Nährstoffe hereingeholt.
Die faszinierende Welt der Faszien:
Medizinisch gesehen gehören die Faszien zu den kollagenen faserigen Bindegeweben. Das weiße Geflecht, das alle Muskeln, Knochen, Organe und Nerven umhüllt. Sie stützen und formen den Körper nicht nur, sondern sind mit vielen Nervenendigungen, Schmerz- und Bewegungssensoren ausgestattet. Die zahlreichen Sensoren auf den Faszien machen sie zu einem zentralen Organ der Körperwahrnehmung, das sich sogar auf das Immunsystem und die Psyche auswirkt. ß++
Die Spannung der Faszien wird vom autonomen Nervensystem beeinflusst. Innere Gelassenheit senkt die Spannung, während Stress das Gegenteil bewirkt. ß
Umgekehrt finden wir keine Ruhe und fühlen uns gestresst, wenn unser Bindegewebe unter Spannung ist. Stresshormone können Faszien schädigen und dafür verantwortlich sein, dass Körperbereiche steifer werden. Daher müssen sie stimuliert werden. Durch Druck und Zug.
Im Körper bildet das Bindegewebe ein Geflecht ohne Anfang und Ende. Deshalb kann man ein Körpersymptom nie isoliert betrachten. Die milchig weiße Hülle überträgt Spannungen im Körper von einer Stelle zu vielen anderen.
Je elastischer die Faszien sind, desto mehr Kraft wird erzeugt und auf die Muskulatur übertragen. Das Qi wird dann aktiviert, wenn die Faszien optimal gedehnt werden. Und durch das Yin Yoga bringen wir das Qi wieder zum Fließen. Der Effekt ist ähnlich wie beim Reinigen von verstopften Rohren.
Um tiefere Schichten zu erreichen, muss die Muskulatur entlastet und entspannt sein. Die Position wird deshalb mit Hilfsmittel Decken und Polster unterstützt. Mindestens 90 sek gehalten, erst nach dieser Zeit die Faser reagiert. Anfangs fühlt es sich oft unangenehm an, es können sich auch Emotionen zeigen, aber nach kurzer Zeit entsteht eine angenehme Wärme und eine tiefe Entspannung. Die Gelenke werden beweglicher, massieren die inneren Organe und fördern den Stoffwechsel und Entgiftungsvorgang.
Im Yin Yoga werden Hüftöffner, leichte Rückbeugen und andere Posen minutenlang gehalten. Yin Yoga ist ein ruhiger, passiver Yoga-Stil, bei dem die Asanas (Körperhaltungen) größtenteils liegend und sitzend ausgeführt und zwischen drei und sieben Minuten lang gehalten werden. Zwischen den Asanas wird zudem häufig eine neutrale Liegeposition zur Harmonisierung integriert.
Im Yin Yoga werden die Posen in der Regel mit wenig bis keiner Muskelanstrengung ausgeführt. Stattdessen sollen alle nicht benötigten Muskeln vollkommen losgelassen werden, wodurch Raum für einen ruhigen, meditativen Zustand entsteht.
In dieser Stunde geht es darum loszulassen, offen und empfänglich zu sein für alle Grenzen die da sind. Ohne etwas zu ändern, zu verbessern und optimieren zu wollen.
Herauszukommen aus dem Kopf und hineinkommen in den Körper.
Es geht darum den Energiefluss im ganzen Körper anzuregen und zu harmonisieren. Komm heraus aus dem Denken und geh immer wieder in die deine Wahrnehmung. Nach einiger Zeit spürst du vielleicht ein Loslassen, ein Eintauchen in die Tiefe in dein Sein.
Bei Beschwerden geh immer wieder heraus und nimm eine sanftere oder ruhende Variante ein.
Das lange Verweilen in einer passiven Körperhaltung bringt uns mit unserem Innenleben in Kontakt. Es können sogar vergrabene Gefühle und Emotionen zum Vorschein gebracht werden. Und genau darum geht es. Wir entwickeln eine Achtsamkeit, wir beobachten ohne sofort zu reagieren, wir lassen einfach geschehen.
Die drei wichtigsten Prinzipien:
1. Gehe in die Position und bestimme eine dir angemessene Tiefe.
2. Entspanne, damit Stille entstehen kann und lausche deinem Körper
3. Halte die Position und beobachte deinen Atem
und nimm deinen Körper ganz bewusst wahr.